Die Wandmalerei von Marnay; Gespräch mit Manola Salvador

■ Manola Salvador, können Sie uns vom Entstehen dieser Wandmalerei erzählen ? War sie eine Bestellung ? Worin bestand das Lastenverzeichnis ?
« Ich hatte einmal Jacques Sutter, ehemaligem Kassenführer des Af-ccc, gesagt, daβ ich ja gerne etwas malen wollte, um die Herberge von Marnay auszuschmücken, und dieser Auftrag hat sich in eine 3m x 1,20m groβe Wandmalerei verwandelt, als Jacques mir ein Brett von dieser Gröβe gebracht hatte. Ich wuβte nicht, wo diese Malerei passen könnte ».

■ Sie selbst haben von Ihrem in dieser Zeit von Marnay nahen Haus an diese Pilgerschaft vollbracht : war es wichtig, um mit dieser Malerei anzufangen ?
« Ja, es war sehr wichtig, selber eine Pilgerin zu sein, denn es heiβt ja schon pilgern. Auf dem Weg in Spanien hatte ich eine schöne Freske in Sarria gesehen, und diese Freske gab mir die Lust, auch selbst Pilger zu malen, aber ich wuβte nicht, wann ich das machen würde. Ich wuβte nur, daβ es dem Sinn des Pilgerns entsprechen würde, daβ ich Landschaften von zu Hause malen würde, und ich habe mehr als Künstlerin denn als Pilgerin gemalt ».

■ Hat Ihnen Ihre Pilgerschaft nach Compostela Inspiration gegeben ? Haben Sie unterwegs solche Kunstwerke gesehen ?
« Eine Freske in der Stadt Sarria, 100 km von Compostela, gab mir die Lust, in dieser Hinsicht zu malen ».

■ In der Schreibkunst heiβt es « man schreibt nur seine Biographie » : gilt es auch für einen Maler ?
Nämlich habe ich unser Zuhause gemalt : Kirchtürme, Kreuze (« croix pattées »), Kühe und auch meine Hunde, unter denen die kleine Marcelle (beige), die die Pilgerschaft mit mir vollbracht hat, und auch Dersou (schwarz), der auf dem Jakobsweg in der Franche-Comté gewandert ist. Für sie, die sich jetzt im Paradies der Hunde befinden, ist es wie ein Stück Ewigkeit, wenn sie auf dieser Malerei dargestellt sind…aber ich habe geschwört, meine Hunde nicht mehr zu malen, denn der letzte ist gestorben, kurz nachdem ich ihn gemalt hatte.

■ Wenn Sie sich vor der Malerei (auf der kleinen Brücke) mit einer Pilgergruppe auf dem Weg nach Compostela befänden, was würden Sie ihnen erklären ?
« Ich würde ihnen sagen, daβ ich eine ehemalige Pilgerin bin, daβ ich 1999 von einem Dorf bei Marnay nach Compostela gewandert bin, daβ ich mit dieser « kleinen » Malerei beauftragt wurde, um das Vorbeigehen der Pilger in der Franche-Comté zu begrüβen. Ich würde ihnen sagen, daβ ich von ganz nah gemalt habe und daβ ich mir nicht vorstellte, daβ dieses Brett über dem Waschhaus hängen würde und daβ diese Freske von so weit zu sehen wäre ».

■ Über Ihre Reise haben Sie 110 Aquarelle gemalt, die in einem « Wegenotizbücher » betitelten Werk versammelt sind : war die Tatsache, daβ Sie über diese Reise jeden Tag gemalt haben, wichtig, als Sie diese Freske realisiert haben ?
« Nein, das Aquarell ist eine ganz andere Kunst. Für diese Freske von Marnay fand ich keine Inspiration in dem, was ich unterwegs oder nach der Pilgerschaft gemalt habe ».

■ Sie haben zwei andere Wandmalereien gemalt, die sich auf einem privaten Grundstück befinden : können Sie uns davon erzählen ?
« Es war eine Bestellung von zwei Fresken (zweimal 15m x 2m) von einer Person, die 1999 mit mir gepilgert ist. Wir empfanden die gleichen Gefühle vor diesem ersten Weg. Da sie nicht zeichnen konnte, wollte sie den Fries der Sierra del Perdón wiedergeben, eine gewaltige Skulptur aus Metall, die der Pilger entdeckt, indem er ab Pamplona nach der Windkraftanlage steigt, und auch die Freske von Sarria. Ich habe ihr meine Hilfe vorgeschlagen und ich lieβ mich ins Spiel hineinziehen. Da es auf einem Privatgrundstück war, habe ich mich freier gefühlt : ich konnte mehr bei der spanischen Freske Inspiration finden ; die drei Damen mit langen Kleidern entsprechen wirklich denen von Sarria ; dann, in der Richtung des Weges, etwa wie bei der Freske von Marnay, habe ich meiner Phantasie freien Lauf gelassen… aber von der Wirklichkeit nachdrücklich geführt. Wer auf diesem Weg gepilgert ist, würde gewisse Orte oder Stimmungen wiedererkennen. Um beide auf einer einzigen Mauer stehenden Fresken zu trennen, habe ich den Jeremias von Moissac und zwei kleine auf dem Tympanon von Conques dargestellte Neugierige gemalt ».

■ Wenn Sie die Freske von Marnay noch einmal malen würden, würden Sie 15 Jahre später das gleiche machen ?
« Ich denke ja. Ich würde noch einmal einen Weg von Menschen darstellen, die seit langem auβer der Zeit gewandert sind: eine Art von Wanderung in den Schritten aller, die den Weg zurückgelegt haben. Ich hätte den heutigen Weg mit Leuten mit Kurzhosen, Rucksäcken, Mützen und Goretex nie malen können. Ich habe die groβen Pelerinen, Knappsäcke, Pilgerstäbe und Breitkrampenhüte bei weitem vorgezogen ».

■ Seit Ihrem ersten Weg von der Franche-Comté nach Compostela haben Sie andere Jakobswege zurückgelegt : gibt es, unter all diesen Wegen, einen Weg, der sich durch die Schönheit der Landschaften unterscheidet ? Hat der erste Weg in Ihrer Erinnerung auf künstlerischem Gebiet den Vorrang ?
« In Gefühlshinsicht bleibt der erste Weg am schönsten. Ich habe diese Emotion nie wieder gefühlt, diese Freude der Entdeckung, diesen Zauber der Landschaften. Die Ankunft in Santiago durch die kleinen Straβen, die Musik der alten spanischen Lieder, wenn man im Dom ankommt, all das sind auf ewig im Gedächtnis eingeprägte Augenblicke. Sonst, von allen Wegen, die ich später zurückgelegt habe, ist für mich die Via de la Plata der schönste, denn der am meisten entfremdende : dürre Landschaften, Baumwollenfelder, Olivenbäume, Stiere, schwarze Schweine…es ist der einzige, wo so viele wunderbare Städte zu sehen sind. Der Camino del Norte ist sehr schön, aber die Meereslandschaften geben mehr den Eindruck des schon Gesehenen. Die Plata ist wilder als Kastilien, das ich sehr geliebt habe. Man kann 35 km lange Etappen ohne etwas, ohne Dorf zurücklegen. Die Landschaft ist sehr trocken und man kann die Ocker, Gelbe, Sienaerden um die Wette deklinieren. Der erste Teil bis nach Salamanca ist wunderschön und sehr entfremdend. Dann, vor Ourense, kommt man ins Gebirge, und man hat unvergleichliche Aussichten auf die verschiedenen spanischen Gebirge und bei schönem Wetter ist es eine Augenweide ».

▶ Die Aquarelle von Manola Salvador befinden sich im Buch
"Wegenotizbücher : von Besançon nach Compostela in Aquarellen",
Créer-Verlag.

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